Schallspuren

Kaminski Einstieg ORANGE 94.0
Pawel Kaminski, Mitarbeiter bei ORANGE 94.0, über seinen Einstieg beim Freien Radio in Wien als Volontär
Steinert: Kontakte Hörfestival
Fiona Steinert, Mitbegründerin von ORANGE 94.0 über andere Freie Radios als Vorbilder und Kontaktpflege und Lobbying bei Hörfestival der Freien Radios
Ramstorfer Vielfalt Fr. Radios
Andreas Pez Ramstorfer, ehemaliger Techniker bei ORANGE 94.0, über die Vielfalt der Freien Radios in Österreich
C. Nemec über Radioreisen
Christina Nemec, Sendungsmacherin bei ORANGE 94.0, über die ein Radioreisen-Projekt zu verschiedenen Freien Radios im deutschsprachigen Raum
U. Somma über Wissensaustausch
Udo Somma, Mitarbeiter im Medienzentrum der Stadt Wien, über Wissensaustausch und Kooperation mit ORANGE 94.0

ORANGE 94.0 ist das einzige Freie Radio in Wien. Trotzdem war es und ist es nicht allein. ORANGE 94.0 ist nicht nur in Wien selbst, sondern auch international stark vernetzt. Sei es in Dachverbänden wie IG Kultur, Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ), früher AMARC Europe, FERL oder mit anderen Freien Radios in Europa – ORANGE 94.0 waren und sind Kooperationen sehr wichtig.

Projekte A_Z

Ein Bereich der internationale Zusammenarbeit, wenn einmal das hürdenreiche Förderungsprozedere überwunden ist, begünstigt, ist der von der Europäischen Kommission geförderten Projekte. ORANGE 94.0 hat von Anfang an selbst Projekte koordiniert oder als Partnerradio in Projekten anderer mitgearbeitet. Im Lauf der Jahre verschoben sich dabei die inhaltlichen Fokussierungen – von Medienpädagogik über Radiokunst, über Umwelt zu Erinnerungsarbeit. Mit Hilfe dieser Projekte konnten teilweise bis heute bestehende Kooperationen und Kontakte zu Radios, Universitäten, NGOs und Einzelpersonen in Finnland, Irland, Spanien, Großbritannien, Ungarn, Slowenien, Georgien, Türkei, Griechenland und den Niederlanden geknüpft werden.

Freie Radios in Österreich

Die Freien Radios in Österreich betreiben einen intensiven Sendungsaustausch über das Cultural Broadcast Archive (CBA), das allen engagierten Radiomacher_innen zu Gute kommt. Besonders gesellschaftspolitisch relevante Sendungen, wie z.B. feministische Radioinitiativen, oder (sub)kulturelle Events werden gerne von anderen Radios übernommen. Im Verband der Freien Radios Österreich - VFRÖ ist Radio ORANGE 94.0 fixes Mitglied und war manchmal mehr, manchmal weniger in dessen politische Arbeit zur Förderung des Dritten Mediensektors, im Besonderen der Freien Radios, in Österreich eingebunden. In der Frage der Einrichtung eines nicht-kommerziellen Rundfunkfonds war ORANGE 94.0 gemeinsam mit anderen Radios zuletzt sehr erfolgreich. ORANGE 94.0 ist mit den Radios in den Landeshauptstädten besonders gut vernetzt.

Internationale Radioszene

Die Rolle der Freien Radios ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, unterschiedlich wichtig und relevant – das erfährt ein Lokalradio nur, wenn es sich mit den anderen lokalen und regionalen Sendern vernetzt. Beispielsweise in sogenannten europäischen Lernpartnerschaften, die von der europäischen Kommission unterstützt werden, können sich lokale Initiativen im Hinblick auf besondere Themen drei bis vier mal in anderthalb Jahren austauschen. So lernten Mitarbeiter_innen und Radiomacher_innen von ORANGE 94.0 die Bedeutung von Community Radio in den ländlichen Gebieten von Irland genauso kennen, und die Arbeit die dahinter steckt, wie die medienpädagogische Arbeit der sogenannten Bürgerradios in der Schweiz. Wer sich kennt, versucht sich auch in schwierigen Zeiten zu unterstützen, wie beispielsweise beim derzeitigen Versuch der ungarischen Regierung die Freien Radios in Ungarn politisch abzudrehen.

Dritter Mediensektor

Zusammen mit alternativen Zeitschriften und Netzkulturinitiativen traten Freie Radios im Jahr 1999 bei der „Medienkonferenz Linz 1999“ selbstbewusst als pluralistischer, gemeinnütziger und selbstorganisierter „Sektor 3“ (neben kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Medien) auf, forderten Kurskorrekturen zur Kultur- und Medienpolitik, und versuchten eine Vernetzung zu initiieren, die aber bereits ein Jahr später wieder zu versanden drohte, als viele Medieninitiativen als Folge der schwarzblauen Regierungsübernahme ums Überleben kämpfen mussten, und dies dann doch wieder lieber individuell machten. 2003 wurde dann in einem Akt zivilen Ungehorsams ein neuer Anlauf genommen, gemeinsam die Bedeutung freier Medien ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, und gemeinsam für die Sicherung der Existenz zu kämpfen. MALMOE, Public Netbase, IG Kultur Wien, ORANGE 94.0 und PUBLIC VOICE Lab errichteten am Karlsplatz ein „Camp der freien Medien“, in dem einen Sommer lang mit vielfältigen Veranstaltungen Bewusstsein für die Bedeutung freier Medien und deren Bedrohung nicht zuletzt durch eine als erpresserisch dargestellte Förderpolitik der Gemeinde Wien geschaffen werden sollte. Der gemeinsame Kampf verlief nicht für alle erfolgreich. ORANGE 94.0 erhielt wenig später eine existenzsichernde Basisfinanzierung, Public Netbase musste hingegen zusperren.

Aktionen

Ein aktionistisches Großereignis in der Radiogeschichte war der 21. März 2001. Der internationale Tag gegen Rassismus wird von den Freien Radios weltweit in einem 24-Stunden-Sonderprogramm begangen. Jeweils ein Radio pro Kontinent übernimmt dabei die Koordination für das Programm auf dem ganzen Kontinent. Während der 21. März auf anderen Kontinenten noch weiter so begangen wird, wurde diese Aktion in Europa nur bis 2002 finanziell unterstützt und musste danach in kleinerem Umfang begangen werden. ORANGE 94.0 koordinierte dieses Sonderprogramm 2001 für Europa, mit monatelangen Vorbereitungen, vielen internationalen Gästen, einem temporären Studio im WUK und in unzähligen Sprachen, Konferenz- und Liveschaltungen.

Bis heute jährlich begangen wird das Sonderprogramm am 8. März – dem internationalen Frauentag, wo an diesem Tag in den Freien Radios nur oder zum Großteil Programm von bzw. über Frauen zu hören ist. Viele Radios im deutschsprachigen Raum beteiligen sich jedes Jahr an dem mehrstündigen Programmprojekt, das rein auf ehrenamtlichem Engagement der beteiligten Radiomacher_innen beruht.

Zwei weitere im Freien Mediensektor bedeutende Ereignisse waren die mehrsprachigen Hörfestivals in Zürich 2003 und 2008, sowie zwei von ORANGE 94.0 veranstaltete Konferenzen im Sektor der Medienkunst.

Frank Hagen

Zum Nachhören
INTIMACY & DISTANCE
INTIMACY & DISTANCE – Art of Listening and Live Art as Universal Language; ein Kunstradioprojekt in Kooperation mit Freien Radios in Georgien, Budapest, London. Mehr Infos: http://intimacy.o94.at/
Dreieck Meiner Kindheit N. Jäger
Das Dreieck Meiner Kindheit - Erinnerungsprojekt zu einer jüdische Vorstadtgemeinde in Wien XV, besonders: Herklotzgasse 21. Eine Sendung von Nino Jaeger zum Projekt
Radio Quattro Stazioni
Radio Quattro Stazioni war 2008 ein Projekt von verschiedenen europäischen Jugendredaktionen in Freien Radios, die sich gegenseitig besuchten und gemeinsam Programm gestalteten. Mehr Infos unter: http://archiv.medienzentrum.at/funk/blog/index.html
Projekt Interconnexiones
Das Netzwerk InterKonneXiones – Frauen schaffen Räume der Kommunikation - wurde 1994 von Frauen in Freien Radios in Europa und Lateinamerika gegründet und ist nach wie vor aktiv - mehr Infos unter: http://web.interkonexiones.org/
Radiodialoge
Radiodialoge - Stimmen der Vielfalt war ein gemeinsames Projekt der Freien Radios Österreichs 2008 und 2009, wo wöchentlich jeweils interkulturelles und fallweise auch mehrsprachiges Programm produziert und auf den anderen Sendern ausgestrahlt wurde.
Broadcast Media Sculptures
Broadcast Media Sculptures - ein internationales Kunstradioprojekt. U.a. war "informelles Radio" aus Tram zu hören. Mehr Infos: http://mediasculptures.o94.at/
radio.territories
radio.territories – Eine Serie von urbanen und akustischen Interventionen im öffentlichen Raum

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